Mit dieser Fragestellung lud die Bodensee-Stiftung Vertreter*innen aus Bio-Verarbeitung und Bio-Handel zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Biofach 2020 in Nürnberg. Welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Landwirtschaft hat und wie sich einzelne Betriebe anpassen können, stellte in einer einführenden Präsentation Andreas Ziermann, Mitarbeiter der Bodensee-Stiftung im Projekt LIFE AgriAdapt, vor. Als wichtiges Element im Projekt erläuterte er den Klimawandel-Check, ein Instrument, das die einzelbetriebliche Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel aufzeigt und bei Entscheidungen zur nachhaltigen Anpassung unterstützt. Anschließend diskutierten Bio-Vertreter aus Erzeugung, Verarbeitung und Handel darüber, wie sich der Klimawandel auf die Bio-Branche auswirkt und künftig auswirkten könnte.

Wie sich der Klimawandel in der Bio-Branche bemerkbar macht

Ertragseinbußen aufgrund ungünstiger Wetterlagen sind vor allem dort ein Problem, wo das Versprechen von Regionalität ein wichtiger Markenkern ist, beispielsweise bei Bodan, dem Bio-Großhändler am Bodensee. Mindererträge oder geringere Qualitäten könnten nicht durch Importware ausgeglichen, sondern müssten anders kompensiert werden. Sascha Damaschun, Geschäftsführer des süddeutschen Handelsunternehmens, berichtete davon, dass beispielsweise zu kleine Kartoffeln aufgrund der Trockenheit in 2018 noch gut als „Glückskartoffeln“ vermarktet werden konnten. Äpfel mit Schalenfehlern werden von den Kunden jedoch eher abgelehnt.

Auch die inneren Werte spielen eine wichtige Rolle. Hubertus Doms in der Geschäftsleitung des Babynahrungherstellers Hipp GmbH nannte die Rückstandsproblematik als eine ernstzunehmende Herausforderung. Aufgrund sich verändernder Witterung verändert sich die Schwermetallaufnahme von Pflanzen – wenn auch nur in kleinsten Mengen. Um 100 t einwandfreie Ware produzieren zu können, müssten sie teilweise bis zu 400 t (z.B. Karotten) unter Vertragsanbau nehmen um diese in der gewünschten Qualität zu erhalten.

Auch Jörg Große-Lochtmann, Vorstand der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG, sieht sich mit veränderten qualitätsgebenden Merkmalen der Produkte konfrontiert. Ein Beispiel sind Fallzahl und Kleberwert im Getreide, die in ungewohntem Verhältnis zueinander auftreten und für die Backqualität nicht mehr ideal sind.

Lösungsansätze für die Bio-Branche – und den konventionellen Lebensmittelhandel

In gewissem Maße lassen sich Schwankungen in Quantität und Qualität z.B. durch Lagerhaltung und Verschneiden der Ernten kompensieren. Perspektivisch müssten Kund*innen jedoch wieder lernen, optisch mit Makel behaftete Waren zu tolerieren. Auch wird es vorkommen, dass Waren zwischenzeitlich nicht verfügbar sein werden. Dafür müsste es eine zunehmende Sensibilisierung der Verbraucher*innen geben.

Im besten Fall schaffen wir eine gesellschaftliche Trägerschaft, um von Verbraucher*innen hin zu den Erzeuger*innen einen Zusammenhalt zu schaffen und um die Erzeugung von Lebensmitteln abzusichern und damit den bäuerlichen Berufstand. Beispielsweise könnte das Konzept der solidarischen Landwirtschaft auf größeren Umfang übersetzt eine solche Lösung sein.

Insgesamt waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dass die ökologische Lebensmittelbranche besser mit dem Klimawandel umgehen kann. Der Öko-Landbau ist durch die größere Artenvielfalt und den stärkeren Fokus auf den Aufbau von Bodenfruchtbarkeit besser gewappnet gegen Ertragsschwankungen. Ein gut strukturierter Boden mit hohem Humusgehalt kann Wasser schneller aufnehmen und länger speichern und ist damit besser auf Extremniederschläge und Dürreperioden eingestellt, die in Zukunft vielerorts häufiger und heftiger auftreten werden. Der systemische Ansatz, (Pflanzen-)Krankheiten durch Vielfalt zu begegnen, lässt sich im Bio-Handel besser realisieren. Werden beispielsweise zehn verschiedene Salatsorten auf einer Fläche angebaut um das Auftreten von Schadpilzen zu reduzieren, kann der Bioladen mit einem vielfältigen bunten Angebot punkten. All diese Vorteile gilt es auszubauen, und auch im Austausch mit konventionellen Kolleg*innen der gesamten Lebensmittelbranche zur Verfügung zu stellen.

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