Methodik und tools

Im Laufe der drei Jahre werden die wichtigsten Informationen gesammelt, um die Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel auf Betriebsebene für die verschiedenen Kulturen und die Tierhaltung zu bewerten. Dazu werden qualitative und quantitative Daten mit zwei Tools analysiert, die während des Projektes entwickelt wurden. Die Informationen zu den unterschiedlichen Regionen in der EU werden zusammengestellt und analysiert um ein besseres Verständnis hinsichtlich der Herausforderung zur Anpassung an den Klimawandel in einem europäischen Szenario zu bekommen. Dies wird dann an politische Entscheidungsträger herangetragen.

Eines der Hauptelemente dieses Projektes ist die Arbeit auf Betriebsebene. Das wichtigste Ziel der Betriebsbewertung ist, das Bewusstsein unter den Landwirten für ihre Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel und damit ihre Belastbarkeit zu erhöhen. Dies soll durch die Bewertung auf Betriebsebene und das Erarbeiten von Anpassungsstrategien auf Betriebsebene erreicht werden.

Schritt 1: Anpassungsstrategie auf Betriebsebene durch fortschreitende Erarbeitung von langfristigen Maßnahmenplänen mit nachhaltigen Anpassungsmaßnahmen, die in die Kategorien Effizienz, Substitution und Neugestaltung eingeteilt sind. Dies wird zusammen mit den Landwirten gemacht unter Berücksichtigung der Durchführbarkeit der Anpassungsoptionen und hinsichtlich der umwelt- und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit.

Die Erarbeitung dieser Anpassungsstrategie soll das Bewusstsein der Landwirte bezüglich ihrer Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel erhöhen. Während des Projektes soll das Bewusstsein von Phase 1 auf Phase 4 gesteigert werden.

Schritt 2:Bewusstsein unter den Landwirten bezüglich der klimatischen Anfälligkeit erhöhen, 4 Phasen.

  • Phase 1: Anfälligkeit unbekannt. Der Klimawandel ist oftmals unklar für die Landwirte. Es sind Bemühungen notwendig, die Auswirkungen des Klimawandels und die künftigen Klimatrends in der Region aufzuzeigen. Die Landwirte sind oftmals auf das Wetter (kurzfristig) und nicht auf das Klima (langfristig) fokussiert. Es bedarf einer Erklärung der wichtigsten Unterschiede zwischen Wetter und Klimawandel sowie der wissenschaftlich fundierten Beweise.
  • Phase 2: Anfälligkeit bekannt, aber keine Lösung vorhanden. Mit Hilfe von agroklimatischen Indikatoren (ACI) werden Klimatrends und die Betriebsanfälligkeit dargestellt. Dies erfolgt durch die Nutzung des Tools für die Bewertung von:
    • Klimatischen Stärken und Schwächen auf zwei verschiedenen Ebenen:
      • Für verschiedene Kulturen und Betriebstypen auf Ebene der agroklimatischen Zonen (ACZ)
      • Auf Betriebsebene, mit den wichtigsten Kulturen und den jeweiligen Betriebstypen mit Hilfe einer SWOT-Analyse.
    • Anfälligkeit in der nahen Zukunft (NZ), etwa um 2030.
  • Phase 3: Anfälligkeit und Lösungen sind bekannt, jedoch ist ihre Effizienz noch unbekannt. Fortschreitende Erarbeitung von Maßnahmenplänen für die Pilotbetriebe, um eine umsetzbare Anpassung an den Klimawandel zu erreichen. Die Maßnahmenpläne werden zusammen mit den Landwirten erarbeitet.
  • Phase 4: Anfälligkeit und Lösungen sind bekannt und die Effizienz ist bewertet (Vor- und Nachteile).

TOOLS

Es wurden zwei Tools entwickelt, die den Entscheidungsfindungsprozess unterstützen. Die Ziele dieser Tools sind, die Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel auf Betriebsebene zu bewerten und beinhaltet die Umsetzung der klimatischen Ereignisse in agronomische Auswirkungen für die bestimmte Kultur oder bestimmten Bereich (Wirtschaftlichkeit, Pflanzenschädlinge, usw.). Die Tools werden dazu verwendet, angemessene Anpassungsmaßnahmen für die vier Haupt-EU-Klimarisiko-Regionen vorzuschlagen.

  • Tool für die agroklimatischen Zonen:

Mit diesem Tool wird die Bewertung der Anfälligkeit der Kulturen gegenüber dem Klimawandel auf agroklimatischer Ebene durchgeführt. Diese Analyse bietet den Rahmen für den zweiten Schritt, die Analyse auf Betriebsebene. Die Bewertung bringt klimatische Daten mit Kulturerträgen auf regionaler Ebene zusammen und erlaubt damit, die in der Vergangenheit stark beeinflussten Jahre, die wichtigsten Wetterereignissen… zu identifizieren. Zuvor wurden die unterschiedlichen Kulturen beschrieben  (ID Kulturausweise), in denen die wichtigsten kulturbedingten Charakteristiken und Entwicklungsstufen genannt werden. So können die wichtigsten agroklimatischen Indikatoren identifiziert und durch das Tool aufgezeigt werden. Die folgenden Informationen wurden in das Tool eingespeist:

  • Klimadaten für die Vergangenheit (letzten 30 Jahre). Die Daten stammen vom Datenportal Agri4Cast. Dieses Portal enthält gerasterte agrometeorologische Daten für Europa. Die meteorologischen Parameter von Wetterstationen sind auf 25x25km Raster interpoliert. Die Daten sind verfügbar von 1975 bis zum letzten kompletten Kalenderjahr, über alle EU-Mitgliedsstaaten hinweg. Die folgenden Variablen stehen zur Verfügung:
      • Maximum, Minimum und durchschnittliche Lufttemperatur (ºC)
      • Relative Luftfeuchtigkeit um 06:00 Uhr, 09:00 Uhr, 12:00 Uhr, 15:00 Uhr, 18:00 Uhr.
      • Mittlere tägliche Windgeschwindigkeit auf 10m (m/s).
      • Mittlerer täglicher Dampfdruck (hPa).
      • Niederschlagssumme (mm/ Tag).
      • Potentielle Verdunstung einer  bewachsenen Fläche (ET0, mm/ Tag)
      • Gesamte Globalstrahlung (KJ/m2/ Tag)
  • Schneedicke (cm/Tag)
    • Klimadaten für Projektionen für die nahe Zukunft (nächsten 30 Jahre). Ebenfalls Nutzung des Datenportals Agri4Cast mit denselben 25x25km Rastern. Daten stammen vom SRES Modell-Szenario A1B des IV. IPCC Berichtes. Die verwendeten wissenschaftlichen Modelle sind: RCM GCMs: DMI-HIRHAM5-ECHAM5, ETHZ-CLMHadCM3Q0, METO-HC-HadRM3Q0-HadCM3Q0. Für dieselben Variablen, die für die Vergangenheit benutzt wurden, wurden modellbasierte tägliche Daten für die Projektionen für die Vergangenheit und die Zukunft verwendet.
  • Ertragsdaten, Durchschnitte und Abweichungen der letzten 15 Jahre. Diese Daten stehen von regionaler Ebene (Statistik) und von Betriebsebene zur Verfügung (falls keine Betriebsdaten verfügbar sind, werden regionale Statistikdaten verwendet).

Wie funktioniert das ACZ-Tool?

  1. Der erste Schritt im AZC-Tool ist, die klimatischen Daten zu analysieren. Mit dem Tool kann man die Häufigkeit und Statistik der klimatischen Parameter untersuchen, um damit die Auswirkung der klimatischen Ereignisse auf die Erträge zu bewerten.
  2. Der zweite Schritt im ACZ-Tool ist, die Ertragsdaten auf regionaler Ebene zu analysieren:
  • Zusammenstellung der Erträge der letzten 15 Jahre
  • Das Tool analysiert die durchschnittlichen Erträge und Abweichungen: Exposition (Anzahl der Jahre mit ungünstigen Wetterereignissen, %) und Impact (Auswirkung von ungünstigen Wetterereignissen auf die höchsten Erträge, %).

Diese Informationen sind sehr wichtig, um die Anfälligkeit der Kulturen auf Betriebsebene bewerten zu können.

  1. Der dritte Schritt im ACZ-Tool ist, die agroklimatischen Indikatoren (ACI) zu berechnen – das sind die agroklimatischen Schlüsselindikatoren, die die niedrigen Erträge auf regionaler Ebene erklären können. Das Tool führt eine automatische Berechnung von mehr als 67 ACI`s für die Vergangenheit und die nahe Zukunft durch wie z.B. die Anzahl der Tage/Jahr mit Maximum-temperaturen >30°C im Mai, ein wichtiger Indikator für Getreide. Es erlaubt somit, die bedeutendsten klimatischen Ereignisse, Grenzwerte und die wichtigsten Zeiträume ihres Auftretens zu definieren.
  • Farm Vulnerability-Tool:
    • Grundlage dafür ist die Befragung der Landwirte, um Betriebsdaten und Informationen über das letzte Anbaujahr zu erhalten. Es umfasst wirtschaftliche, klimatische und landwirtschaftliche Daten (Fruchtfolge, Tierhaltungsmanagement….). Alle Daten beziehen sich auf die Pilotbetriebsebene und die betrieblichen  Hauptkulturen bzw. Tätigkeiten.
    • Darauf basierend erfolgt die Einstufung der agronomischen Anfälligkeit mit Hilfe der Berechnung von Exposition und Impact für die wichtigsten Kulturen (ACZ-Tool und Erfahrung) sowie durch die Berechnung der Anfälligkeit mit den klimatischen Daten für die nahe Zukunft.
    • Die Einstufung der Anfälligkeit der betrieblichen Tierhaltung basiert auf dem Grundfuttersystem, der Belastbarkeit des Futterbaus und des Tierwohls während Hitzeperioden sowie der Berechnung der Anfälligkeit mit den klimatischen Daten für die nahe Zukunft.

RELEVANTE BAUSTEINE DES TOOLS  

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